Europäisches Forum Alpbach 2010
Elisabeth Fiedler
Mit seinem diesjährigen Generalthema „Entwurf und Wirklichkeit“ unternimmt das Europäische Forum Alpbach 2010 die Analyse eines allgegenwärtigen Spannungsverhältnisses, ob in der Wissenschaft, Kunst, Politik oder Wirtschaft. Seit jeher bemüht sich der Mensch, den Weg von der Vorstellung zur Realisierung zu gehen oder die Kluft zwischen beiden zu verringern. (Zitat Dr. Erhard Busek, Präsident, Europäisches Forum Alpbach)
Ich durfte bei folgenden Gesundheitsgesprächen dabei sein:
Krankheiten: Definition und Ursachen; Personalisierte Medizin – Vision und Wirklichkeit; Ethik, Ökonomie und Medizin; integrierte Versorgung; Medizinischer Fortschritt – wer profitiert?
Definition Gesundheit laut WHO: Gesundheit ist nicht nur Absenz von Krankheit, sondern physisches, psychisches und soziales Wohlergehen.
Die Definitionen „Was ist Gesundheit“ und „Was ist normal“ sind vielfältig und spiegeln die jeweiligen Gesellschaftsstrukturen wider. Personalisierte (maßgeschneiderte) Medizin ist die richtige Diagnostik und Therapie für den richtigen Patienten zur richtigen Zeit mit den Zielen: genaue Prognose, gezielte Therapie, geringe Kosten. Voraussetzung dafür sind diagnostische Methoden, evidenzbasierte Medizin, Leitlinien, Kosten-Nutzenanalysen, und sie ist bereits Wirklichkeit. Integrierte Versorgung sind in sich geschlossene Prozesse, die genau definiert und organisiert werden müssen, wobei Priorkriterien abgewogen und interpretiert werden müssen, und Rationalisierung vor Rationierung kommen soll. Kommunikation zwischen den Schnittstellen (ambulant-stationär-Rehabilitation) ist notwendig (wer soll was, wann und wie machen?). Menschen fühlen sich, eingebettet im Sozial- und Krankenversicherungssystem, nicht unbedingt gesünder, aber sicher. Integrierte Versorgung wird zukünftig berufsbild- und institutionsübergreifend durchgeführt werden. Medizinischer Fortschritt bedeutet Optimierung, d.h. hohe Lebenserwartung, Besiegen der Krankheit, gutes Leben mit Krankheit (die nicht versteckt wird) als Teil der Gesellschaft. Gesellschaftliche Ungleichheit zeigt sich in der gesundheitlichen Ungleichheit – hier ist die Politik gefordert. Partnerschaft zwischen Medizin und Patienten, also auch Beteiligung des Patienten am Heilungsprozess ist wünschenswert. Augenmerk in Forschung und Politik auf soziale Unterschiede (wer arm ist, ist auch kränker und lebt kürzer als ein Nichtarmer) ist notwendig. Das Gesundheitssystem ist die vollständige Versorgung zu jeder Zeit mit allem Nötigen für jeden.
Allerdings: Das, was ist, ist nicht das, was wir uns wünschen, obwohl das, was wir uns wünschen, schön aufgeschrieben ist (Zitat Ernest Pichlbauer, Gesundheitsökonom).
Meine Anmerkung: Betroffeneninitiativen wie die ÖMCCV sehen sich durchaus als wichtigen Faktor im Sozialsystem, und sollten auch als solcher tatsächlich akzeptiert sein.
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