Warum könnte Psychotherapie und Entspannung sinnvoll sein?
Morbus Crohn und Colitis ulcerosa können zu Lebensveränderungen führen, die mit sozialer Isolation, Schmerzen und Durchfällen verbunden sind. Dadurch ändert sich die Lebensqualität, die von der Krankheitsaktivität und dazugehörigen Symptomen abhängig ist. Manchmal treten im Verlauf der Krankheit auch Depressionen und Ängste auf. Erkrankte mit CED sind davon dreimal häufiger als die Allgemeinbevölkerung betroffen. Das Ausmaß der seelischen Belastung korreliert mit der Krankheitsschwere und beeinflusst die Lebensqualität.
Studien konnten zeigen, dass Patienten mit depressiver Stimmung, gesteigertem Stressempfinden und assoziierter Angst ein Risiko für eine höhere Krankheitsaktivität aufweisen. In einer Langzeitstudie zeigte sich, dass chronisch empfundener Stress über zwei Jahre das Risiko für eine Aktivierung der Colitis innerhalb von 8 Monaten verdreifachte.
Das Ausmaß des Stressempfindens korrelierte mit der Häufigkeit der Krankheitsschübe, wobei dieser Zusammenhang nur bei Langzeitstress bestand. Eine weitere Studie zeigte, dass PatientInnen mit M. Crohn, welche weniger Stress und weniger Vermeidungsverhalten bzw. weniger Rückzugstendenzen zeigen, auch weniger Krankheitsaktivität aufweisen.
Es liegt daher nahe, die Stressreduktion und die Krankheitsbewältigung zu verbessern, um nicht nur die Lebensqualität sondern eventuell auch den Verlauf der Krankheit zu verbessern. Wer hat Bedarf an begleitender Psychotherapie und wann ist diese sinnvoll?
Eine Studie vom AKH zeigte, dass ein Drittel der Betroffenen in einem CED-Zentrum einen hohen Bedarf an zusätzlicher psychischer Betreuung angibt. Psychotherapie hat einen positiven Effekt vorwiegend auf die psychologischen Dimensionen der Erkrankung, wie psychisches Wohlbefinden, Strategien zur Krankheitsverarbeitung und Stressbewältigung. Die Diagnosen M. Crohn und Colitis ulcerosa alleine sind nicht ausreichend, um eine Psychotherapie zu empfehlen. In kontrollierten Studien zeigt Psychotherapie bei PatientInnen ohne psychische Störungen für die Betroffenen kaum Vorteile. In einer Multicenterstudie über den Effekt von Psychotherapie (ca. 20 Stunden mit zusätzlichen Entspannungsübungen) bei PatientInnen mit M. Crohn (ohne psychische Störungen) konnte allerdings gezeigt werden, dass die psychotherapeutisch behandelte Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe in den Jahren nach Therapieende eine signifikante Verringerung der Krankenhaustage aufwies. Damit kann ein Vorteil durch eine zusätzliche Psychotherapie (mit Entspannungstechniken) angenommen werden.
Psychotherapeutische Interventionen sind aber primär bei psychischen Störungen wie Depressionen und Angst, reduzierter Lebensqualität, mangelnder Krankheitsbewältigung sowie zur Raucherentwöhnung indiziert.
Bei Rauchen ist die Wirksamkeit eines Rauchstopps der einer immunsuppressiven Therapie vergleichbar. Entspannungsübungen sind sinnvoll, da sie leicht zu erlernen und durchzuführen sind und ihre Wirksamkeit erwiesen ist. Eine spezielle Form der Entspannung mit bestimmter Heilungsvorstellung ist die „Bauch-gerichtete Hypnose“.
Diese ist beim Reizdarmsyndrom bereits intensiv erforscht worden und der positive Einfluss auf den Verdauungstrakt wurde wissenschaftlich bestätig. In einer Studie konnte gezeigt werden, dass Hypnose auch für Betroffene mit CED eine realisierbare, akzeptierte Methode ist, die eine Vielzahl von Effekten bewirken kann. Hypnose wurde zur Stressreduktion, Änderung gastrointestinaler Bewegungen und Immunfunktion sowie zur möglichen Reduktion von Entzündungen angewandt. In einer Studie (ohne Kontrollgruppe) erhielten 15 PatientInnen mit schwerer therapieresistenter (kortisonabhängiger) CED eine „Bauch-gerichtete Hypnose“ über 12 Wochen. Die PatientInnen wurden im Schnitt 5,4 Jahre beobachtet. Es konnte eine Verbesserung der Lebensqualität und der Krankheitsaktivität in der Mehrheit der Fälle beobachtet werden. Weiters wurde eine Medikamentenreduktion möglich, 60% konnten sogar auf Kortikosteroide verzichten. Es konnte von dieser Arbeitsgruppe um P. Whorwell (aus Manchester) schon im Bereich anderer Gastrointestinaler Krankheiten ein Benefit der Hypnosetherapie gezeigt werden. Die Hypnosetherapie kann daher als eine begleitende Therapiemöglichkeit angesehen werden, insbesondere bei PatientInnen mit Stressbelastungen, chronischer Krankheitsaktivität und Reizdarm-ähnlichen Symptomen. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass jede Methode, die individuell die Entspannung fördert, sei es nun ein Spaziergang, Sauna, Wandern oder Laufen, empfehlenswert ist. In klinischen Studien wurden das Autogene Training, die progressive Muskelrelaxation und die Bauch-gerichtete Hypnose am besten untersucht. Die Methoden der Psychotherapie sind vielfältig, und hängen vom Bedarf des/der betroffenen Patient/ in ab.
Am häufigsten wurden psychoanalytisch und verhaltenstherapeutisch orientierte Verfahren untersucht. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sich Entspannungstherapien, vor allem auch in Kombination mit psychotherapeutischen Gesprächen positiv auf die Lebensqualität von Betroffenen mit CED auswirken und unter Umständen auch den Verlauf der CED günstig beeinflussen können.
Literatur bei der Verfasserin, Univ. Prof. Dr. Gabriele Moser Buch-Empfehlung: „Psychosomatik in der Gastroenterologie“ von Gabriele Moser im Springer- Verlag, erschienen 2007 (mit einem ausführlichen Kapitel zu CED und Bericht eines Betroffenen)
Dieses Buch und weitere Bücher ist in unseren Buchempfehlungen enthalten.
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