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STATEMENT

Univ.-Prof. Dr. Walter Reinisch
Universitätsklinik für Innere Medizin III, Medizinische Universität Wien; Leiter der Arbeitsgruppe für chronisch entzündliche Darmerkrankungen der Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie
Univ.-Prof. Dr. Walter Reinisch
Über Morbus Crohn
 
Morbus Crohn ist eine chronisch entzündliche, unheilbare Erkrankung des Verdauungstraktes, zumeist des Darms, welche unbehandelt progressiv voranschreitet und zu unwiederbringlichem Verlust von Darmgewebe führen kann. Morbus Crohn ist weltweit im Steigen begriffen und manifestiert sich meist bei jüngeren Menschen zwischen dem 15 und 40 Lebensjahr. Alarmierend sind Berichte über die zunehmende Häufigkeit der Erkrankung im Kindesalter. Wenngleich exakte Zahlen über die Häufigkeit von Morbus Crohn in Österreich fehlen, konnte zuletzt eine 270 Prozent Steigerung jener Patienten, die stationären Aufnahme bedurften, in den letzten 20 Jahren beobachtet werden. Im Jahr 2006 wurden ca. 7.000 Patienten mit Morbus Crohn in Österreich stationär behandelt. Die gesamte Anzahl wird auf 30.000 bis 40.000 Patienten geschätzt.

Patienten mit Morbus Crohn leiden in 87 Prozent an persistierenden oder chronischen Durchfällen, welche den Aktionsradius der Patienten häufig stark limitieren. Bis zu 70 Prozent klagen über Bauchkrämpfe und –schmerzen. Gewichtsverlust wird von 79 Prozent der Patienten berichtet. Fieber, Müdigkeit und allgemeines Krankheitsgefühl; sowie Blutungen aus dem Enddarm; Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen komplettieren das Bild. Außerdem kann Morbus Crohn auch zu Beschwerden außerhalb des Magendarmtraktes führen, wie z.B. Gelenksschmerzen in 70 Prozent, knotige und entzündliche Hautveränderungen, ein gesteigertes Thromboserisiko, oder Augenentzündungen.

Mehr als 50 Prozent der Patienten entwickeln innerhalb der ersten fünf Jahre Komplikationen, z.B. Abszesse, Fisteln, Verengungen im Darm, Gallen- und Nierensteine oder Anämie. Morbus Crohn geht zudem mit einem 10-fach erhöhten Risiko für Dickdarmkrebs einher.

Psychosoziale Aspekte des Morbus Crohn

Viele Morbus Crohn-Betroffene, besonders wenn sich die Erkrankung bei ihnen in jungen Jahren bemerkbar macht, fühlen sich aufgrund der Krankheit in ihrem Leben eingeschränkt. Seien es die Bereiche Ausbildung und Berufsleben (Einbußen der Leistungsfähigkeit) oder das emotionale Erleben (Einbußen im Bereich zwischenmenschlicher Kontakte) − Morbus Crohn-Betroffene haben das Gefühl, darin zurückstecken zu müssen und spüren, dass sie nachhaltig in der sozioökonomischen Entwicklung durch die Erkrankung gehemmt sind. Umfragen in Österreich haben z. B. gezeigt, dass einer von zehn Befragten aufgrund der Darmerkrankung Verzögerungen in seiner Berufsausbildung hinnehmen musste. Oft wirkt sich die Erkrankung auch auf zwischenmenschliche Beziehungen aus und bedingt sozialen Rückzug. Bis zu 70 Prozent der Patienten berichten über eine depressive Verstimmung. . Die Scheidungsrate ist doppelt so hoch wie jene der Normalbevölkerung.

Sowohl das körperliche als auch das mentale Wohlbefinden ist gegenüber der Normalbevölkerung signifikant eingeschränkt , besonders wenn die Erkrankung aktiv ist und Krankenhausaufenthalte bzw. Operationen erfordert. Die Lebensqualität steht in direktem Zusammenhang mit dem Schweregrad der Erkrankung und ist bei Patienten mit aktiver Erkrankung generell schlechter .

Die körperlichen und psychischen Folgen der Erkrankung verursachen auch Einschränkungen in der Erwerbsfähigkeit . Bis zu 38 Prozent der Patienten sind erwerbslos. In Österreich sind Anträge auf Frühpensionierungen bei Morbus Crohn-Patienten sehr häufig.

Frühe Diagnose − rechtzeitige Therapie mit Biologika

Wie bei vielen anderen chronischen Erkrankungen, dauert es auch bei Morbus Crohn oft mehrere Jahre bis die richtige Diagnose gestellt wird. Eine frühzeitige Diagnose und rechtzeitiger Einsatz von hochwirksamen Medikamenten ist unumgänglich um den Krankheitsverlauf abzumildern bzw. die Krankheitsprogression zu verzögern. Spitalsaufenthalte und Operationen, also Interventionen, die besonders kostenintensiv sind, können mit einer Therapie, die früh im Krankheitsverlauf ansetzt, hintangehalten werden. Anti-TNF-Antagonisten stellen derzeit die wirksamsten Medikamente in der Behandlung des Morbus Crohn dar, die dieser Voraussetzung entsprechen.

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