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PK Chronische Dickdarmentzündung (Cu):Unbekannt – tabuisiert – verdrängt; MI 14.5.08; 10:00 H, ÖJC

Chirurgie als Option – Patienten-freundliche Weiterentwicklung „Pouch“ bewährt sich und verbessert die Lebensqualität

Statement Prim. Univ.-Prof. Dr. Friedrich Herbst, Klinische Abteilung für Allgemeinchirurgie, KH der Barmherzigen Brüder, Wien 
 
Prim. Univ.-Prof. Dr. Friedrich Herbst
Kann die Colitis ulcerosa mit Medikamenten nicht ausreichend kontrolliert werden, müssen operative Maßnahmen getroffen werden. Die Chirurgie ist bei Colitis ulcerosa in einer Reihe von Situationen präsent: wenn sich der Allgemeinzustand des Patienten stetig verschlechtert, Kinder oder Jugendliche unter Wachstumsstörungen leiden, oder Vorstufen eines kolorektalen Karzinoms entdeckt werden. Bei gefährlichen Komplikationen wie dem toxischen Megakolon mit dem Risiko eines Platzens des Darmes, einem Darmdurchbruch („Perforation“), einer Entzündung des Bauchfells („Peritonitis“) oder bei schweren Blutungen muss eine Notoperation durchgeführt werden.

In akuten Fällen erfolgt als Standard-OP die Dickdarmentfernung („Kolektomie“). Das Rektum wird belassen und es wird ein künstlicher Darmausgang („Stoma“) gesetzt. Bei dieser „Fokus-Sanierung“ verbleibt der Mastdarm, etwaige Entzündungsherde lassen sich in Folge gut durch den After mittels Einlauf therapieren. Hier kann die Immunsuppression rasch reduziert werden, damit sich der Patient besser erholen kann.

Der beste Platz für das Stoma ist eine ebene Fläche, die beim Sitzen keine Hautfalte ergibt. Bei einem technisch korrekt angelegten Stoma ist es eine Frage der Motivation, wie der Patient mit dem „kleinen Rüssel“ zurechtkommt. Faktum bleibt, dass die Ausscheidung unwillkürlich passiert und es in Phasen von Durchfall zu Austrocknung kommen kann. Darauf sollte durch eine entsprechende Lebensweise Rücksicht genommen werden. Ansonsten sind Betroffene kaum eingeschränkt, sie können essen was sie vertragen, sie sind in ihrer Sexualität nicht behindert, und sie können Sport betreiben bis hin zum Flaschentauchen.

Die stärkere Berücksichtigung psychologischer Aspekte und die Forderungen Betroffener führten zu einer Weiterentwicklung, dem „Pouch“. Der Mastdarm wird dabei so entfernt, dass der muskuläre Verschluss-Apparat des Darms („Sphinkter“) erhalten bleibt. Dann wird ein Reservoir („Pouch“) aus einem Teil des unteren Dünndarmabschnitts (Ileum) angelegt und mit dem After (Anus) verbunden. Hierbei ist die Stuhlkontinenz durch den erhaltenen muskulären Verschluss-Apparat und den Pouch als neues Stuhlreservoir meist gewährleistet. Nach einer Pouch-Operation kann jedoch die Stuhlpassage nicht sofort wiederhergestellt werden. Für die Zeit der Abheilung der Verbindung wird ein Ileostoma vorgeschaltet, um den Kontakt von Stuhl mit dem Pouch vorerst zu vermeiden. In einem zweiten Schritt erfolgt nach Abheilung die Rückoperation.

Für Patienten ist die Erhaltung der Kontinenz (willkürliche Stuhlentleerung) durch den natürlichen Darmausgang im Gegensatz zur unwillkürlichen Darmentleerung bei einem Ileostoma von entscheidender Bedeutung. Die Erfahrungswerte sind höchst positiv: neun von zehn Patienten entscheiden sich für einen Pouch und gegen ein Ileostoma, nach zehn Jahren sind 90 % der Pouches immer noch intakt, die Akzeptanz der Betroffenen ist daher sehr gut.

So beeindruckend die Fortschritte der Chirurgie hier sind, geht es doch darum chirurgische Eingriffe durch den frühzeitigen und konsequenten Einsatz weniger eingreifender medikamentöser Methoden nach Möglichkeit zu vermeiden. Der Einsatz von modernen Medikamenten kann heute eine Operation in vielen Fällen vermeidbar machen.

Kontakt: friedrich.herbst@bbwien.at
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