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PK Chronische Dickdarmentzündung (Cu):Unbekannt – tabuisiert – verdrängt; MI 14.5.08; 10:00 H, ÖJC
Neue IMAS-Umfrage: nur 21 % haben „von Colitis ulcerosa gehört oder gelesen“ – Neue Medikation ersetzt Aufklärung und Früherkennung nicht
Statement Univ.-Prof. DI. Dr. Harald Vogelsang, Universitätsklinik für Innere Medizin III, Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, Medizinuniversität Wien
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Colitis ulcerosa ist als chronische Krankheit nicht heilbar. Besonders wichtig sind deshalb die Früherkennung durch einen Spezialisten und eine optimale Behandlung, um den Krankheitsverlauf günstig zu beeinflussen. Ein Minimum an Wissen über CU und ein entsprechendes Problembewusstsein sind hier von zentraler Bedeutung: erstens um die ersten Anzeichen zu erkennen und einen Spezialisten aufzusuchen; zweitens für eine Ent-Tabuisierung dieser Krankheit durch den Betroffenen und sein soziales Umfeld.
Allerdings, so zeigt die neue repräsentative IMAS-Umfrage „Informationsniveau über Colitis ulcerosa“ (1083 Befragte ab 16 Jahre), weiß die österreichische Bevölkerung nur zu einem geringen Teil über dieses Krankheitsbild Bescheid:
• Nur 21 % der Befragten haben bisher „von Colitis ulcerosa gehört oder gelesen“, auf 67 % trifft das nicht zu, 12 % antworten mit „weiß nicht“. • 43% der Befragten gehen – auch nach umfassender Aufklärung durch den Interviewer – von der falschen Annahme aus, eine Diät sei die bevorzugte Behandlungsmethode bei Colitis ulcerosa, während nur 31 % richtiger Weise Medikamente per Infusion nennen. • Nur 25 % nehmen an, dass mit Colitis ulcerosa auch eine operative Entfernung des Dickdarms verbunden sein könnte.
Zunehmende Bekanntheit von Cu – noch sehr viel Aufklärungsarbeit zu leisten
Unsere bisherigen Bemühungen um Information haben also erste Erfolge erzielt: Im Vergleich zu den Umfrageergebnissen vom März 2006 hat der Bekanntheitsgrad von Colitis ulcerosa um 50 % zugenommen, von damals 14 % auf heute 21 %. Das zeigt allerdings auch, dass noch sehr viel Aufklärungsarbeit zu leisten ist.
Alternativen zu Darmverlust und künstlichem Darmausgang
Die größten Befürchtungen bei Colitis ulcerosa drehen sich um den Darmverlust und das daraus resultierende Stoma, den künstlichen Darmausgang. Gerade für junge Menschen bedeutet dies einen äußerst massiven Einschnitt in ihr Sozial- wie auch Sexualleben. Hier wäre mehr Verständnis von großer Wichtigkeit, um die sozialen Kontakte zu erleichtern und um Entlastung zu schaffen, anstatt Befremden oder sogar Angst gegenüber dem Patienten zu empfinden, der den Dickdarm verloren hat.
Hier ist Aufklärung von immenser Bedeutung, um Alternativen aufzuzeigen und eine Beratung durch Patienten anzubieten, die dies bereits erlebt haben: Eine chirurgische Alternative ist das Pouch, ein Reservoir aus Dünndarmschlingen als Mastdarmersatz.
Nun kommt in der medikamentösen Therapie auch ein TNF-alpha-Blocker zum Einsatz. Infliximab (Für Fachmedien: Remicade®) ist ein Antikörper, der den Tumornekrosefaktor hemmt und somit entzündungshemmend wirkt. Infliximab wurde zuvor bei Patienten zum Beispiel mit Rheumatoider Arthritis, Morbus Bechterew, Psoriasis, Psoriasis Arthritis oder Morbus Crohn eingesetzt. Nachdem zwei neue Studien in NEJM die Wirksamkeit von Infliximab bei 728 Patienten mit Colitis ulcerosa gezeigt hatten, wurde die Indikation für Infliximab auch für Colitis ulcerosa erweitert.
Diese Therapie kann viele Patienten in völliges Ruhestadium führen, die Anzahl der Krankenhausaufenthalte vermindern und auch die Operation mit Kolektomie vermeiden. Mit Infliximab wurden sehr positive Erfahrungen gemacht, als Komedikation wurde nur akut Cortison, dann Immunsuppressoren wie Azathiopin gegeben.
Frühzeitige Therapie, bessere Prognose
Nach wie vor ist die rasche Diagnose einer Colitis ulcerosa die beste Aussicht auf eine erfolgreiche Therapie: Je früher die Therapie beginnt, desto besser spricht der Patient auf sie an. Ein Problem für betroffene Patienten ist auch der von uns häufig kritisierte Umstand, dass zögerliche oder überhaupt fehlende Überweisungen an Spezialisten eine Verzögerung der Diagnosestellung um bis zu zwei Jahren bewirkt. Umso wichtiger ist, dass potenzielle Patienten um die Möglichkeit einer CU Bescheid wissen und bei Verdacht einen Spezialisten aufsuchen: Erste Symptome sind Blutabgänge im Stuhl und blutig-schleimige Durchfälle. Blut im Stuhl tritt jedoch auch bei Hämorrhoiden auf, wenn allerdings die spezifische Therapie nicht zum Stillstand führt, dann wird eine Darmspiegelung vorgenommen, auch um Polypen auszuschließen.
Studien belegen, dass im ersten Jahr nach Diagnose das Risiko einer Operation am höchsten ist. Hier gilt: Früherkennung und damit frühzeitige Therapie führt zu rascherer Remission des Patienten. Nach zehn Jahren steigt die Gefahr, Fehlbildungen („Dysplasien“) und Dickdarmkrebs zu entwickeln, hier senken Entzündungshemmer das Risiko.
Kontakt: harald.vogelsang@meduniwien.ac.at
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