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Olivia Fuchs
Bewegung und Sport
bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen


Mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung zu leben, sei es Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, ist nicht einfach. Von der Haupterkrankung abgesehen, können u.a. extraintestinale Erkrankungen sowie soziale oder psychische Probleme auftreten. Es ist aber möglich, einigen dieser zusätzlichen Belastungen durch Bewegung und Sport vorzubeugen bzw. Linderung zu erzielen.
Natürlich trifft ein solcher Aufruf zu Bewegung und Sport auch auf „Gesunde“ zu. Aber ebenso selbstverständlich ist es, dass sich gewisse Probleme nicht verflüchtigen, weil eine Grunderkrankung wie eine chronisch entzündliche Darmerkrankung (CED) bereits besteht – im Gegenteil. Erwachsene, aber auch Kinder und Jugendliche, die an Diabetes Mellitus (Altersdiabetes), Bluthochdruck, Arteriosklerose erkranken oder im schlimmsten Fall einen Herzinfarkt bzw. Schlaganfall erleiden, sind leider keine Seltenheit mehr. Zusätzlich machen sich bei vielen Menschen Gelenksabnützungen, Haltungsschäden oder verkümmerte Rückenmuskeln durch Schmerzen im Bewegungsapparat bemerkbar.
Jedoch nicht allein die Ernährung oder Genussmittel wie Alkohol und Nikotin sind an dieser Situation schuld, wie oft behauptet wird. Ein großer Teil dieser Probleme ist auf unzureichende körperliche Bewegung zurückzuführen: Aufzüge, Rolltreppen, Computer, Fernseher, Bequemlichkeit, Stress, Zeitmangel, (negative) Vorbildwirkung der Eltern, Parkanlagen, in denen kein „Platz“ mehr für den kindlichen Bewegungsdrang ist („Laufen, Lärmen, Klettern, Ballspielen und Radfahren verboten!“) – die Liste der Verursacher ist lang und ließe sich beliebig fortsetzen.

Patienten mit einer CED müssen durch schwere Krankheitsschübe zusätzlich mit langer Bettruhe und Gewichtsabnahme, unzureichender Vitamin- und Mineralstoffaufnahme aus dem Darm oder oftmals schweren Nebenwirkungen durch hohe Medikamentendosierungen umgehen. Dass uns natürlich die oben angeführten Probleme „normaler Menschen“ genauso betreffen und wir folglich noch ein wenig mehr aufpassen müssen, gewisse Erkrankungen nicht zusätzlich zu bekommen – daran denken wir in den seltensten Fällen.
Bewegung und Sport sind eine gesunde und nebenbei kostengünstige Möglichkeit, einigen Problemen vorzubeugen. Wichtig ist dabei lediglich, sich selbst nicht zu überfordern, zu ehrgeizig zu sein und die richtigen Impulse zu setzen. Dazu gehört ganz selbstverständlich auch ein medizinischer Check beim Arzt zu Beginn.
Um die positiven Auswirkungen möglichst bald am eigenen Leib zu erleben, sind drei Faktoren zu beachten, die ein vernünftiges und gesundheitsorientiertes Training ermöglichen: Ausdauerfähigkeit, Muskelkraft und Koordination sollten immer aufeinander abgestimmt werden.

Durch gemäßigten Ausdauersport steigt die Stressresistenz gegenüber auslösenden Stressoren deutlich, was die Remissionszeit verlängern kann, da Distress (negativer Stress) meist ein großer
(Mit-)Auslöser für einen neuen Schub ist. Ebenso wird die eigene Entspannungsfähigkeit gesteigert, was wiederum zu zusätzlichem Stressabbau führt. Herz-Kreislauf- sowie das Immunsystem werden gestärkt, die oftmals nach einem Schub durch hohe Medikamentengaben und Bettruhe geschwächt sind. Der Blutdruck normalisiert sich, das Herzvolumen nimmt zu und das Gehirn wird besser durchblutet.

Bewegung und Sport vertreiben aber auch depressive Stimmungen, können das soziale Netz des einzelnen verbessern und die Kommunikation mit anderen Menschen fördern.

Krafttraining als zusätzliche Möglichkeit hat die angenehme Eigenschaft, unser tägliches Leben zu erleichtern: Zum Beispiel fällt das Treppensteigen und das Tragen schwerer Mineralwasserflaschen leichter. Durch Krafttraining werden sämtliche Muskeln besser durchblutet, die wiederum dem Körper eine schönere Form geben und zudem besseren Schutz für das Skelett und die Bandscheiben bieten. Eine größere Muskelmasse verbraucht mehr Energie und regt so den Grundumsatz im Körper an. Ebenso werden Muskeldysbalancen ausgeglichen, die Beschwerden im Bewegungsapparat wie z.B. Arthrose mit sich bringen können. Eine der wichtigsten Eigenschaften von Krafttraining für CED-Patienten ist jedoch Vorbeugung gegen Osteoporose. Durch gezielte Muskelkräftigung nimmt die Knochendichte zu und bietet somit einen hervorragenden Schutz.

Koordinationstraining hingegen macht den Bewegungsablauf ökonomischer. Dieser wird dadurch präziser, reduziert Verletzungsgefahren, verbessert die Konzentrationsfähigkeit, vermindert den Krafteinsatz und sorgt generell für geringere Ermüdung.

Es gibt also jede Menge Vorteile, die CED-Patienten zusätzlich motivieren sollten, auf ihrem persönlichen Niveau, gesunden und gesundmachenden Sport zu betreiben. Allerdings müssen hierzu auch einige spezielle Regeln beachtet werden:

• NIEMALS darf während eines akuten Schubes Sport betrieben werden! Der Körper benötigt in dieser Phase bereits alle Reserven, um wieder gesund zu werden.
• Ebenso unsinnig ist es, sich überhöhte Ziele zu stecken, die eine zu große Erwartungshaltung auslösen. Diese kann uns in eine negative Stresssituation hineinkatapultieren.
• Erholungsphasen sollten unbedingt eingehalten werden, da übermäßiges und zu ehrgeiziges Training einen negativen Effekt hat und man sofort die Lust am Sport verliert.
• Freude an der Bewegung und Spaß am Sport sind besonders wichtig! Es ist daher ratsam, sich nur Sportarten auszuwählen, die man auch gern betreibt.
• Ob man schließlich lieber alleine auf dem Rad vor sich hinstrampelt, gemeinsam in einer Gruppe Nordic-Walking-Runden oder Kräftigungsübungen absolviert, bleibt jedem selbst überlassen.

Olivia Fuchs ist Dipl. Wellness- und Entspanungstrainerin und lebt selbst seit 1997 mit Colitis ulcerosa.
Kontakt: 0676/4315445, olivia.fuchs@relaxness.atwww.relaxness.at 

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